Wenn „lustige“ Clowns einen „zu Tode erschrecken“

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Scheinbar gibt es Leute, die es irre komisch finden, sich als „Grusel-Clown“ im Pennywise-Style zu verkleiden und anderen einen irren Schreck einzujagen (ein Beispiel hier). Wo kommt’s her? Aus den USA (Nein, die Donald Trumps dieser Welt sind nicht gemeint.

Strafbar?

Für die Clowns

Grundsätzlich kann bereits das einfache erschrecken strafbar sein. Nämlich als Körperverletzung223 StGB): „Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt…“, steht es geschrieben. Was die Gesundheitsschädigung ist, formulieren Juristen wie gewohnt lässig: „Herbeiführen einer pathologischen Verfassung“, wobei ein vorübergehender Zustand reicht. Das hat nicht (notwendig) mit Schmerzen zu tun, es reicht auch eine Übelkeit und dergleichen (s. nur BGH B. v. 18.8.2015 − 3 StR 289/15 = NStZ 2016, 27, dort durch Anspucken). Nur eine gewisse Erheblichkeitsschwelle muss überschritten sein. Je nach Qualität des Schrecks und der generellen Befindlichkeit des Opfers, ist es nicht völlig abwegig, dass einem vor Schreck speiübel wird. Ähnliches dürfte für Herzrasen oder einen schockähnlichen Zustand gelten. Auf der anderen Seite reicht eine bloße Beeinträchtigung des seelischen Wohlbefindens nicht. Eine solche „Befindlichkeitsstörung“ muss Krankheitswert (s. o. „pathologisch“) besitzen.

Ganz blöde wird es, wenn der Erschreckte einen Herzinfarkt erleidet und daran vielleicht sogar verstirbt. Spätestens dann wird aus dem vielleicht lustig (haha!) Gemeinten, bitterer Ernst. Die fahrlässige Tötung von Menschen ist mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe sanktioniert und für eine vorsätzliche Tötung gibt es ab 5 Jahren aufwärts.

Dass der Einsatz von Messer und sonstigen Waffen, die Strafe exorbitant nach oben schrauben kann, liegt wohl auf den Hand. 6 Monate bis 10 Jahre sieht § 224 StGB, die gefährliche Körperverletzung, vor. Apropos gefährliche Körperverletzung: „gefährlich“ ist die Körperverletzung auch, wenn mehrere Personen eine Körperverletzung begehen (zwei Clowns im Verbund).

Je nach konkretem Ablauf des „Streichs“ kommen auch die Nötigung (jmd. verjagen) und die Bedrohung („Isch mach disch tot!“) und die Beleidigung in Betracht. Ist der Straßenverkehr betroffen könnte man gar an einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr (§ 315 b Abs. 1 Nr. 3 StGB) denken.

Also Obacht.

Für die Erschreckten

Gegen das reine erschrecken („Buh!“) ist eine Notwehr wohl nicht zulässig, da kein Angriff vorliegt (insofern stimme ich nicht mit Kollegen Solmecke überein). Das ändert sich aber schnell, wenn der Streich oben genannte Qualitäten erreicht. Dann darf sich der Erschreckte wehren. Man würde ihm unter Umständen nicht einmal vorwerfen können, wenn die die Grenzen der Notwehr überschreitet. Wer nämlich aus Schrecken die Grenzen der Notwehr überschreitet, wird nicht bestraft.

Für die Studenten

Je mehr man (als Jurist) über diese Sachverhalte nachdenkt, desto komplizierter wird es. Das liegt v. a. daran, dass das Phänomen neu ist. Damit ist die Spielwiese für alle möglichen juristischen Phantasien denkbar groß. Oh, ihr armen Studenten. Ihr werdet die Clowns in euren Klausuren noch hassen lernen.

Happy Halloween 😉

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