NSU-Prozess: Jetzt sind (fast) alle beleidigt

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Ich hatte dem OLG-Senat, der das NSU-Verfahren abarbeiten muss, ja bereits eine beleidigte Attitüde unterstellt. Nachdem nun aber die Presseplätze in dem Verfahren per Los verteilt worden sind, reagieren fast alle beleidigt; zu Unrecht wie ich meine.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht „kritisiert“ hatte, dass keine ausländischen, insb. türkischen, Medienvertreter einen der begehrten Presseplätze im NSU-Verfahren erhalten hatte, wurde die Platzvergabe kurzerhand neu organisiert. Medien wurden kategorisiert, Kategorien Plätze zugewiesen und dann die Medien auf diese Plätze gelost. Pech für die meisten Medien und ihre Vertreter: je nach Lesart gingen 270 oder 877 leider leer aus; 50 erhielten einen Platz.

Nun sind es vor allem die großen, wie die Welt, die FAZ, der Tagesspiegel und die Süddeutsche Zeitung, die schreien, weil sie nicht bedacht wurden. Die „Blätter“ halten sich mit Polemik nicht gerade zurück. „Die Liste liest sich in Teilen wie eine Farce. Man schämt sich.„, liest man auf sueddeutsche.de; „Am Catwalk sitzt die ‚Brigitte‘, für eine kleine Stilkritik von Beate Zschäpe.„, beim Tagesspiegel. „Medien wie ‚FAZ‘, ‚Zeit‘, ‚taz‘ und ‚Welt‘ werden von der Berichterstattung faktisch ausgeschlossen,…„, meckert die Welt. Und Frau Friedrichsen vom Spiegel sieht schon Plätze, die bei Ebay versteigert werden und befürchtet ein „unwürdiges Gerangel um die Teilhabe an einem der wichtigsten Gerichtsverfahren der letzten Jahre. Dies hätte verhindert werden müssen.

Die Reaktionen wirken insgesamt ebenso beleidigt, wie der OLG-Senat beleidigt regiert hat; will sagen: keinen Deut besser. Die Hautevolee von Presse und Rundfunk wird wohl teilen müssen. So ist das nun mal mit der Gleichheit. Manche kommen zum Zug und manche eben nicht. Oder wie es das Bundesverfassungsgericht formuliert: „Rechte der Medien bestehen ohnedies nur im Rahmen einer gleichheitsgerechten Auswahlentscheidung.“ Und nein, liebe Frau Friedrichsen, es ist vornehmste Aufgabe der Medien und ihrer Vertreter sich zu benehmen und ein „unwürdiges Gerangel“ um Plätze zu unterlassen. Die Justiz muss da gar nichts verhindern.

Qualität und Kompetenz der Berichterstattung, soweit beruhigend, dürfte aber gesichert sein. U. a. sind ARD, WDR, ZDF und der Deutschlandfunk unter den akkreditierten Medien zu finden. Mir persönlich reicht das, um mir einen halbwegs sachgerechten Eindruck von dem Prozess machen zu können. Und einen Vorgeschmack auf die Themen der Brigitte kann man schon jetzt lesen: Einen Bericht über Kollegin Anja Sturm.

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