Katholische Krankenhäuser verweigern Untersuchung

Eine Frau war offenbar durch „K.O.-Tropfen“ betäubt und womöglich vergewaltigt worden. Zwei katholische Kliniken in Köln haben eine forensische Untersuchung der Frau aus ethischen Gründen verweigert.

Über die Geschichte, über die gestern Nachmittag und heute Morgen berichtet wurde, kann ich nur den Kopf schütteln.

Eine Frau wacht am Samstag Nachmittag auf einer Bank in Köln-Kalk auf, nachdem sie am Freitag in der Kölner Innenstadt unterwegs war. Wie sie auf die Bank gekommen ist, weiß sie nicht mehr. Die Ärztin beim KV Notdienst Köln-Nord vermutet: „K.O.-Tropfen“, vermutlich sogar eine Vergewaltigung. Die Ärztin untersucht die Frau, berät über eine sog. Notfallkontrazeption („Pille danach“) und verschreibt das entsprechende Medikament auch unmittelbar. Die Polizei ist informiert.

Wegen einer gynäkologischen Untersuchung und zur Spurensicherung fragt die Ärztin in einem katholischen Krankenhaus an. Nein, so die Klinik, derartige Untersuchungen seien unmöglich, weil nicht vereinbar mit christlichem Gedankengut. Diese Aussage wurde offenbar auch nicht revidiert, als die Ärztin der Klinik erläutert hatte, dass es nicht mehr um einen Schwangerschaftsabbruch ginge, sondern nur noch um die Untersuchung und Spurensicherung. Gleiches musste sie sich auch in einem anderen katholischen Krankenhaus anhören. Die erforderlichen Untersuchungen wurden dann in einem evangelischen Krankenhaus vorgenommen. Ein Interview mit der Ärztin des KV Notdienstes finden Sie hier.

Meiner Meinung nach ist das Verhalten der katholischen Kliniken nicht zu rechtfertigen; Ethik hin oder her. Die strafrechtlich interessante Frage ist, ob die Klinikärzte eine unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB) begangen haben.

Eine unterlassene Hilfeleistung begeht, wer bei einem Unglücksfall die erforderliche und zumutbare Hilfe nicht leistet.

Fraglich ist schon, ob (noch) ein Unglücksfall vorlag. Natürlich ist die Bewusstlosigkeit und die Vergewaltigung ein „plötzliche Ereignis, das erheblichen Schaden an Menschen verursacht und weiteren Schaden zu verursachen droht“. Die Frau war aber bereits in ärztlicher Behandlung und (jedenfalls wird das nicht berichtet) lag ein gynäkologischer Notfall, den die Ärztin nicht behandeln konnte, nicht vor. Es drohte also kein weiterer Schaden für die Frau. Die Unterlassung der kriminalistisch sicherlich erforderlichen Spurensicherung unterfällt dieser Definition ebenfalls nicht. Sie ist zur Abwendung einer Gefahr (für Leib oder Leben des Opfers) nicht erforderlich. Lag kein Unglücksfall vor, entfällt die Strafbarkeit.

Anders läge der Sachverhalt sicherlich, wenn sich die Frau direkt an eine der Kliniken gewandt hätte und abgewiesen worden wäre. Das gilt meines Erachtens auch unter Berücksichtigung der grundsätzlich zu respektierenden Religionsausübungsfreiheit (Art. 4 GG). Die Gesundheit des Opfers überwiegt hier eindeutig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.