7 Jahre unschuldig im Gefängnis

dna-ident
Vor dem Landgericht Memmingen hat eine Wiederaufnahmeverfahren begonnen. Gegenstand: Eine Verurteilung, die einem Mann 7 Jahre seiner Freiheit gekostet hat. Der Mann war vor 17 Jahren vom Landgericht Kempten wegen Missbrauchs von Kindern und Vergewaltgung in drei Fällen verurteilt worden. Jetzt offenbart sich das vermeintliche Opfer von damals: alles gelogen.

Der Bericht der Süddeutschen Zeitung erinnert mich unweigerlich an das ein oder andere Verfahren, in dem ich verteidigt habe. Das Opfer habe aus Rache „eine Geschichte kontruiert, mit der sie Ermittler, Gutachter und später auch das Gericht überzeugen konnte.“ Es ist tragisch, aber ich stelle immer wieder fest, wie einfach es für (auch vermeintliche) Opfer ist, ebenjene von der eigenen Version zu überzeugen. Gegenteilige Aussagen des Beschuldigen werden ohne weiter Begründung als „Schutzbehautptung“ abgetan und Ungereimtheiten in belastenen Aussagen glattgebügelt oder schlich ignoriert.

Weiter kommt mir bekannt vor, dass die Geschichte im Kontext der Trennung ihrer Eltern stattgefunden hat. Die Mutter, so lese ich in o. a. Artikel, habe sie gegen den Vater aufgestachelt. Später hätte sie dann nicht mehr den Mut gehabt zur Wahrheit zurückzukehren. Sie muss damals rund 16 Jahre alt gewesen ein; den fehlenden Mut nehme ich ihr daher locker ab. Ich gehe aber davon aus, dass es ihr die Behörden einfach gemacht haben werden, bei der Unwahrheit zu bleiben. Oft genug wird, gerade von Seiten der Ermittler, kaum etwas kritisch hinterfragt. Warum auch, wenn man davon ausgeht, dass der Beschuldige ohnehin lügt. Das ist ein Problem der Ermittlungshypothese, die schlicht falsch gewählt wird.

Es wäre aber zu kurz gegriffen, den Nachteil für den Mann, den er durch das falsche Urteil hinnehmen musste, als einziges Problem zu begreifen. Urteilen Gerichte nicht präzise, wirkt sich das auch zu Lasten wahrer Opfers aus, die mit einer u. U. „kuriosen“ Geschichte nicht gehört werden. Frauen, die vielleicht zu Recht über ihre Ex-Ehemänner verärgert sind, werden nachgerade ermutigt eine derartige „Schiene zu fahren“.

Wie sagt man so schön, „Vor dem Richter und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand“. Amen.

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